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Joerg_AsmussenInzwischen ist er schon ganz oben angekommen. Fährt aber noch immer mit seinem Bike in das Finanzministerium. Unser Aufsteiger heißt Jörg Asmussen und wurde 1966 in ländlichen Flensburg geboren. Sicher war er ein guter Schüler. Nach dem Abitur machte er den damals noch 20 Monate dauernden Zivildienst. Radikalen Ansichten abgeneigt, trat er in die SPD ein. In Gießen und Bonn studierte er Volkswirtschafslehre. Nach seinem Diplom erwarb er an der Mailänder Uni den "Master of Business Administration" (MBA).

 

 

Ein "moderner" Staatsdiener

1996 befindet sich der Dreißigjährige bereits im Zentrum der Macht. Der (neo)liberale Ökonom und Abteilungsleiter Klaus Regling hatte ihn in das Bundesfinanzministerium geholt. Dort geht es unter Theo Weigel (CSU) recht entspannt zu. Der neue Akademiker ist für den Bereich Internationale Finanz- und Währungspolitik zuständig.

Acht Jahre später würdigt ihn "Die Zeit" (09.06.2004) als den "Prototyp des modernen Staatsdieners: gut ausgebildet und kompetent, unprätentiös und eher lässig im Umgang, präzise in der Arbeit, mit eigenem Kopf, aber stets loyal."

 

Loyal unter wechselnden Dienstherren

Loyalität ist in dieser Zeit des politischen Umbruchs angesagt. In der rot-grünen Regierung wird Asmussen Referent des neuen Staatssekretärs Heiner Flassbeck. Wie viele im Finanzministerium, weint er Oskar Lafontaine (damals noch SPD), der nach kurzer Zeit den Hut hinwarf, keine Träne nach. "Da hat plötzlich die Richtung nicht mehr gestimmt."

Mit Lafontaines Nachfolger Hans Eichel (SPD) zieht wieder Ruhe im Finanzministerium ein. Dem neuen Minister gefällt dieser unprätentiöse junge Mann. Er ernennt ihn zum Leiter seines Büros.

 

Politische Kurskorrekturen

In dieser Legislaturperiode werden die umstrittenen Hartz-IV-Gesetze verabschiedet. Nicht nur der Kündigungsschutz, auch die Regeln für die Finanzmärkte werden deutlich gelockert. Zuvor hatte im Finanzministerium Josef Ackermann (Deutsche Bank) Hans Eichel den von seinen Justitiaren ausgearbeiteten Gesetzentwurf überreicht.

Die neue Bundesregierung zeigt sich betont wirtschaftsfreundlich. Die Steuer für Spitzenverdiener und die Erbschaftssteuer werden gesenkt. Auch für Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird sich sein rastloser Einsatz in diesen aufregenden Jahren auszahlen.

Es geht voran!

Im März 2003 übernimmt Asmussen als Ministerialdirektor der Bundesregierung den Chefposten der Abteilung Nationale und Internationale Finanzmarkt- und Währungspolitik. Dem "internationalen Netzwerker" werden nicht mehr nur Komplimente gemacht. Die "Frankfurter Rundschau" (22.05.2008) nennt ihn einen "Top-Banker" und "Strippenzieher in internationalen Finanz- und Währungsangelegenheiten". Asmussen bekümmert es wenig, wenn ihn (linke) Hunde anbellen. Sein neuer Chef Peer Steinbrück (SPD) schätzt diesen verhaltenen Mann. Der „Süddeutschen Zeitung" (13.05.2008) fällt auf: Asmussen sei "kein Lautsprecher, der dem Chef die Show stiehlt, er arbeitet lieber im Hintergrund."

Freilich hatte im Jahr zuvor das "Handelsblatt" (07.08.2007) den "ersten Fleck auf der bisher weißen Weste des Senkrechtstarters" entdeckt. Asmussen war inzwischen auch Mitglied des Verwaltungsrates der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFIN) geworden. Gleichzeitig saß er im Aufsichtsrat der zum größten Teil staatseigenen Düsseldorfer Industriebank. Als sie sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt gründlich verspekuliert hatte, musste sie vom Bund mit einer milliardenschweren Finanzspritze gerettet werden. Mit Recht fragte nicht nur die Opposition, was der "internationale Netzwerker" von den riskanten Geschäften der Bank gewusst und warum er sie nicht verhindert hatte.

 

Zwei Freunde

Ein persönliches Fehlverhalten konnte Peer Steinbrücks Abteilungsleiter nicht nachgewiesen werden. Asmussen selbst sah sich als "Opfer" einer Medienkampagne. Salbungsvoll gab er zu Protokoll: "Die Rolle des Prellbocks ist Teil meines Jobs." Süddeutsche Zeitung (13.05.2008)

Im selben Monat ernannte Finanzminister Peer Steinbrück seinen "Prellbock" zum Staatssekretär. Mit seinen 41 Jahren war er der bisher jüngste Staatssekretär in der Geschichte der Bundesrepublik. In einer Zeit turbulenter Finanzkrisen alles andere als ein leichtes Amt.

Doch die beiden "großen Jungen" spielten sich die Bälle zu. Der Finanzminister konnte gegen "Heuschrecken" und "Wolfsrudel" wettern, weil sein Staatssekretär Garant war, dass auf dem Finanzsektor alles beim Alten blieb. Selbst die konservative Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (15.06.2008) sprach inzwischen von "einem der gewieftesten und erfolgreichsten Strippenzieher im politischen Berlin".

 

Den (Prell-)Bock zum Gärtner gemacht.

Im Oktober 2008 beriefen die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister, um die Wählerschaft in dieser turbulenten Zeit zu beruhigen, eine Expertenkommission. Sie bekam den Auftrag, eine Reform des internationalen Finanzsystems auszuarbeiten. Natürlich wurde die Federführung Jörg Asmussen anvertraut. Der holte sich seinen früheren "Ziehvater" Klaus Regling zu Hilfe. Die Bundeskanzlerin schickte Jens Weitmann, der damals noch ihr finanzpolitischer Berater war. Auch Alexander Dibelius, Chef der deutschen Filiale von Goldman Sachs und persönlicher Freund der Kanzlerin, versprach die Kommission mit Rat und Tat zu unterstützen.

Es war absehbar, dass diese Kommission bis heute mit keinerlei Vorschlägen für Unruhe in der Finanzbranche gesorgt hat. Unsere Finanzoligarchen sitzen viel zu fest im Sattel, um von der Politik etwas befürchten zu müssen.


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