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Seit Schwarz-Gelb regiert, beeinflussen immer mehr Schamanen (Männer und Frauen, die zu zaubern versprechen) die Entscheidungen. Einer der Profiliertesten ist sicher Guido Westerwelle. Der neue Außenminister will sich auf internationaler Ebene für mehr Abrüstung einsetzen. Ein mutiger Plan in einem Land, das sich auf der Liste der Rüstungsgüter produzierenden Staaten inzwischen auf den dritten Platz vorgearbeitet hat.

Wird Westerwelle der Spagat zwischen Abrüstung und Rüstungsindustrie gelingen?

Der Zauberer versteht sein Handwerk. Westerwelle unterstützt den Plan, jedem Thaliban, der seine alte Kalaschnikof abgibt, eine Abwrackprämie zu zahlen. Nicht wenige werden dieses Geld in neue, moderne Waffen investieren.

Der Mythos von der produktiven Kraft des Geldes

Mythen sind Bilder und Verheißungen, die unsere Fantasie gefangen nehmen. Gebetsmühlenartig verkündet die zur Macht gekommene FDP, dass mehr Geld in privater Hand für mehr Wachstum sorgen wird.

Ökonomen stellen diesen Glauben infrage. Nach ihren Berechnungen wäre ein Wachstum von zehn Prozent nötig, um die von der schwarz-gelben Koalition verschenkten Steuermilliarden zurück in die Staatskasse zu holen. Damit rechnen nicht einmal die glaubensbereiten Anhänger der FDP.

Trotzig kündigt Brigitte Homberger, die Fraktionsvorsitzende dieser Partei, weitere Steuergeschenke in Milliardenhöhe an.

Warum wird sich das erhoffte Wachstumswunder nicht ereignen? Weil das Interesse, in die Wirtschaft zu investieren, in den letzten Jahrzehnten unaufhaltsam zurückgegangen ist. 1960 betrug in der Bundesrepublik das Investitionsvolumen noch 26 Prozent des Bruttosozialprodukts. 2005 waren es nicht einmal mehr zwanzig Prozent. Doch die Geldmengen, die auf der Suche nach dem spekulativen Gewinn die Erde umkreisen, wachsen ständig.

Kapitalismus als Religion

Schon in den dreißiger Jahren hat der Philosoph Walter Benjamin auf die religiösen Elemente in dieser Weltanschauung aufmerksam gemacht. In ihrem Mittelpunkt steht der Glaube an die produktive Kraft des Geldes. Aber der Unternehmer, den noch Karl Marx vor Augen hatte, spielt in der heutigen Wirtschaft eine immer geringere Rolle. Zu Beginn der Industrialisierung war er wirklich noch der Freiheitsaktivist, der auf eigenes Risiko ein wirtschaftliches Projekt vorantrieb. Heute dominiert in den Großunternehmen der Manager. Er versteht es als seine Aufgabe, durch das Versprechen schneller Rendite den Aktienkurs des Unternehmens zu steigern. Den Gewinn kann er durch Lohn- oder Personalabbau erhöhen, aber auch durch eine Geschäftsidee, die potentielle Aktionäre anlockt. Wenn sich herausstellt, dass sie sich nicht realisieren lässt, ist der Manager aufgrund seiner Erfolge schon wieder von einem anderen Unternehmen angeworben worden. Wie zukunftsfähig in dem Unternehmen produziert wird, spielt in den Überlegungen dieser neuen Magier eine immer geringere Rolle. Zumal man mit staatlicher Unterstützung rechnen kann, wenn man ein (Groß)Unternehmen in den Sand gesetzt hat.

Warum können auch wir uns der Verheißung des Geldes nicht ganz entziehen?

Geld ist wirklich eine Macht, die unserem Alltag bestimmt. Von unserem Vermögen hängt es ab, welche Wünsche wir uns erfüllen können bzw. versagen müssen.

Die Verheißung "Arbeite Dich nach oben und Du wirst an diesem Segen teilhaben!" lässt sich nicht einfach als Ideologie entlarven. Barack Obama hat es vom Sozialarbeiter zum Präsidenten geschafft. Der Arbeiterjunge und Halbwaise Gerhard Schröder hat sich seinen Wunsch erfüllt, Bundeskanzler zu werden. Dank seines Vorstandsposten ist er jetzt auch noch stolzer Millionär.

Auch der Sohn eines LKW-Fahrers hat sich einen Herzenswunsch erfüllt. Horst Seehofer ist inzwischen bayrischer Ministerpräsident. Aber sein neues Amt erweist sich immer mehr als ein Schleudersitzs. Leichtfertig hatten seine Vorgänger dem neoliberalen Rat befolgt und das bayrische Tafelsilber zu geld gemacht. Einen Teil dieser Erlöse stellten sie der eigens geschaffenen Landesbank zur Verfügung. Diese versprach wie Jesus im Gleichnis von der wunderbaren Brotvermehrung die investierten Milliarden auf wundersame Weise zu vermehren. Weil man sich wie viele Banken verspekuliert hatte, muß der bayrische Steuerzahler die Leichtgläubigkeit seiner Politiker mit seinen Steuern bezahlen.Die Schuldenberge wachsen und wachsen, während das versprochene Wachstum auf sich warten lässt.


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