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Sturm der Entrüstung überrollt die Berliner FDP-Partei-Zentrale

Als Mitte letzter Woche der Großrechner im Keller zusammenbrach, rechneten die Mitarbeiter mit einem gezielten Hacker-Angriff. Nach der Wiederingangsetzung des Rechners musste man feststellen, dass er vor der Masse der eintreffenden Protestschreiben kapituliert hatte. Unternehmer des Mittelstands, der Industrie und der Wirtschaft, aber auch führende Banken protestierten gegen eine Aussage des FDP-Wirtschaftsministers, Rainer Brüderle. Dieser hatte sich in einem Moment des Übermuts zu der Bemerkung hinreißen lassen, auch die lohnabhängige Bevölkerung müsse von dem begonnenen Wirtschaftsaufschwung profitieren.

In einem persönlichen Schreiben an Außenminister und Partei-Vorsitzenden Guido Westerwelle beklagte sich der Vorsitzende eines pharmazeutischen Großunternehmens. "Wir haben nicht die FDP unterstützt, damit ein Minister aus Ihren Reihen mit klassenkämpferischen Parolen Unruhe stiftet. Die Mehrheit der Bevölkerung ist dankbar, dass wir noch immer auch in Deutschland produzieren und hat seine Entwicklung zu einem Niedriglohnland bisher klaglos hingenommen."

Angesichts der unerwarteten Emotionen warb Dr. Guido Westerwelle in einem persönlichen Schreiben an alle führenden Manager um Verständnis für seinen Wirtschaftsminister. "Viele von Ihnen hatten mir von dieser Personalentscheidung abgeraten. Ich wollte aber bewusst nicht nur auf unverbrauchte, junge Männer setzen, sondern auch meine Verbundenheit mit der älteren Generation, die oft viel zu schnell in den Ruhestand abgeschoben wird, bekunden. Rainer Brüderle ist in einfachen Verhältnissen großgeworden. Ich erinnere nur an den Textilladen seines Vaters in der Pfalz, den dieser bis zu seinem Tod geführt hat. Für diese Generation war es noch selbstverständlich, dass Leistung belohnt werden muss. Sie wissen alle aus eigener Erfahrung, dass die Vergütung in vielen Bereichen heute oft nach ganz anderen Kriterien erfolgt. Das zu akzeptieren, fällt Rainer Brüderle, dem ein weiches Herz nachgesagt wird, leider noch immer schwer. Sein Staatssekretär hat mir aber zugesichert, ihn in Zukunft vor ähnlich leichtfertigen Aussagen abzuhalten."


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