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Daniel und eine MausDrei Tage waren unsere Zwillinge bei Papa und Opa zu Gast. Sie sind jetzt fünfeinhalb Jahre alt. Natürlich lief nicht alles reibungslos.

 

 

 

 

 

 

Kämpfen oder Kleinbeigeben?

Es ist Schlafenszeit. Zumindest meint das Papa. Benedikt stellt sich quer, schreit "Nein". Er rennt aus dem Zimmer, demonstriert Unwillen. Die Situation ist angespannt. Der Vater müde und erschöpft.

Kann und soll er den Jungen herbeizwingen?

Nach ein paar Minuten taucht Bene wieder auf. Er legt sich ohne ein Wort zu sagen zu uns.

 

Der Ziegenbock

Eine Zeitlang lebte ich in einer fränkischen Landkommune. Wir hatten Pferde, Schafe, Ziegen, den Hofhund Wanja und einen Ziegenbock. Mit Spitzbart, kräftigen Schenkeln - ein Prachtexemplar.

Ab und zu kamen Bauern mit einer Ziege zur Begattung. Das ängstliche Tier wollte sich seinen kraftvollen Stößen entziehen. Zu dritt versuchten wir, es festzuhalten. An unseren Klamotten klebte der Mist. Nicht nur der Bock, auch wir stanken zum Schluss bestialisch.

Jede Begattung wurde mit zwanzig Mark entlohnt. Geld, das uns Knechten zustand. Das ist auf dem Dorf gute Tradition.

 

Kraft und Widerstand

Die Vitalität verdankt der Bock seinem Becken. Von hier bezieht er seine Energie.

Auch das bockige Kind greift auf sein Becken zurück. Meist macht es auch noch die Beine steif und schwer. Sein ganzer Körper leistet Widerstand. Zureden bringt wenig. Zu sehr hat es sich bereits in Abwehr hineingesteigert. Seine ganze Körperhaltung signalisiert Kampfbereitschaft. Das allein schon provoziert sein Gegenüber, ebenfalls aggressiv zu reagieren.

Der Begriff der Provokation kommt aus dem lateinischen. Das Grundwort "Provocare" lässt sich mit "etwas hervorrufen, herausfordern" übersetzen.

 

Der Herausgeforderte

Für erschöpfte oder ängstliche Menschen bedeutet Kampf Stress. Die Gefühle schwanken dann zwischen Hilflosigkeit und Wut. Sie kann sich "maßlos" äußern, aber auch als "ohnmächtige Wut" erlebt werden.

Sie fällt "maßlos" aus, wenn sich bei uns zu viel angestaut hat und wir kurz vor dem Platzen stehen.

Sind wir zum Kämpfen zu müde, dann bringt uns auch noch die eigene Ohnmacht auf die Palme. Die Wut verdoppelt sich, ohne dass wir einen Ausweg wissen.

Wut und Ohnmacht sind starke Gefühle. Sie können mich an den Rand meiner Selbstbeherrschung bringen. So mancher gerät in seiner Wut außer sich. Hinterher erschrecken wir selbst über unseren Kontrollverlust.

 

Die Gabe der Friedfertigkeit

An der Spitze des römischen Heeres marschierten Soldaten, die (Sieges)Zeichen (Im lateinischen "signa") vorantrugen. Wenn sie fielen, also re-signierten, hatte der Gegner den Kampf gewonnen. Auch Benes Papa hat nicht gekämpft, sondern gleich resigniert. Das hat Bene den Raum verschafft, von sich aus wieder zur Besinnung zu kommen.

Friedfertigkeit fällt Menschen, die sich nicht mehr behaupten müssen, leichter. Diese Haltung inneren Friedens verkörpert der in sich ruhende (meist dicke) Buddha.


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