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Von der leidvollen Erfahrung der Selbst-Konfrontation (1)

Das folgende Gedicht entstand im Mai 1976. Im Winter hatte ich mir durch Schneeschippen vier Wochen Urlaub in Marokko verdien. Zurück aus der Sonne fiel ich in eine abgrundtiefe Traurigkeit. Um auf andere Gedanken zu kommen, ging ich in den Grunewald. Dort, auf seinen sandigen Wegen, war mir schon so manches sexuelle Vergnügen zugefallen. Aber mein Traum ging nicht in Erfüllung.

 

Und Apfelblütenschnee im Mai.

Das Herz vereist.

Den nehm ich wahr, den Jäger,

Mich, der selbst sich jagt.

 

Die Uhr läuft rückwärts vor.

Der Schaffner ruft Stationen aus.

Er sieht mich an.

Sieht er mich denn?

Ich sehe mich in voller Hass-t.

 

Im Sand die Spur,

die Sonnenlicht einfangen wird,

wenn längst der Augenblick verweht,

da düster ich den Weg beschritt.

 

Wann geb ich wahr,

auf dass im Sand die Feuerblume blüht,

die meiner Kälte Flammen setzt

und mich auf Zukunft hin enteist?

 

Ich fühlte mich einsam. Alle außer mir schienen die Aufbruchstimmung des Frühlings zu genießen. Warum diese Schwermut? Warum diese innere Unruhe? Vergangenes holt mich ein. Werben um Liebe, die nicht erwidert wurde. Beschämende Situationen, in denen ich keine gute Figur gemacht habe. Mich quält das Gefühl, restlos gescheitert zu sein.

 

Ich spüre den Druck auf meinen Schultern. Meine Schritte werden langsamer, mein Atem flacher. Angst lähmt mich, die in Panik zu eskalieren droht.

 

Ich stecke in einem verzweifelten Tief, aus dem ich nicht mehr herausfinde.


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