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theodor_stormSOMMERMITTAG

 

Theodor Storm (1817-1888)

 

Nun ist es still um Hof und Scheuer

Und in der Mühle ruht der Stein.

Der Birnenbaum mit blanken Blättern

Steht regungslos im Sonnenschein.

 

Die Bienen summen so verschlafen,

Benebelt von dem Duft des Heus.

Der Müller schnarcht und das Gesinde

Und nur die Tochter wacht im Haus.

 

 

 

 

Die lacht verschmitzt und zieht sich heimlich

vorsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,

Der kaum den müden Augen traut.

„Nun küss mich, küsse geiler Junge!

Doch leise, leise, nicht zu laut!

 

„Wann wird es endlich wieder Sommer? Ein Sommer, wie es früher einmal war." fragte ein populärer Schlager der siebziger Jahre. Es ist meist unser verklärender Rückblick, der den längst vergangenen Sommern zu einem besonderen Glanz verhilft. Ob es im Sommer regnet oder uns bedrückende Hitze zusetzt: unser Herz sehnt sich nach Frieden und Zufriedenheit. Wann, wenn nicht jetzt, fragt es.

Einen Moment tiefen Friedens lässt Storms Gedicht ahnen. Zum Nichtstun verurteilt überlassen sich die Menschen ihren Träumen. Ausgerechnet die Tochter des Chefs, der den Müllerburschen nur barsch zurechtweist, wagt den Tabubruch. Es werden aufregende Momente gewesen sein, auch wenn sich beide tollpatschig angestellt haben.

Theodor Storm war ein zerrissener Mensch. Parallel zu seiner Heirat begann er eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. Als seine Frau bei der Geburt ihres siebten Kindes starb, wurde seine Geliebte seine zweite Ehefrau. Vielleicht sind innerlich getriebene Menschen besonders offen für die Poesie des Augenblicks. Für einen Moment scheinen wir dem Glück greifbar nahe zu sein. Oft bedauern wir im Rückblick, es nicht intensiver ausgekostet zu haben.

„Wann wird es endlich wieder Sommer? Ein Sommer, wie es früher einmal war."


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