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Alle zwei Jahre gestatte ich meinem Urologen einen Blick auf meinen Unterleib. Jedes Mal bescheinigt er mir alten Sack eine "jugendliche" Prostata. Da ich mit meiner nachlassenden Potenz konfrontiert bin, weiß ich solche Komplimente zu schätzen. Aber mit meinem Blasendruck ist mein Arzt, seit wir uns kennen, nicht zufrieden. Meine Blase entleert sich völlig und die gemessene Flüssigkeitsmenge entspricht der Norm. Aber mein Strahl plätschert leider nur kläglich vor sich hin.

Deshalb habe ich schon als Kind andere Jungen beneidet. Sie stellten sich in der Volksschule breitbeinig an die Pissrinne und donnerten los. Mit Recht fühlte ich mich ihnen unterlegen. Inzwischen kenne ich die Ursache meiner Blasenschwäche. Von ihr, den Belastungen in meiner Kindheit, erzählt mein Text "Das geknickte Gänseblümchen".

 

Zwischen Resignation und Überdruck

Unsere Blase ist ein Organ, dessen Stimmung schon früh programmiert wird. Mein Freund Guido leidet an Übererregung. Oft beneide ich ihn um seine vitale Kraft. Droht ihm das Arbeitsamt mit "Zwangsarbeit", zieht er vor Gericht. Wenn Rechtsradikale Randale machen, wird er wütend.

Seine Blase protestiert gegen seine chronische hoch-Spannung und treibt ihn immer wieder aufs Klo. Ich, der sich inzwischen mit seiner nervösen Blase angefreundet hat, verfolge das nicht ohne Schadenfreude. Mich setzt meine Blase nicht mehr unter Druck.

 

Die Entdeckung des Unterleibs

In meinem Elternhaus wurde das Bad nie abgeschlossen. Von klein auf konnte ich meine Eltern auch nackt sehen. Trotzdem muss in meiner Reinlichkeitserziehung etwas schiefgelaufen sein. Wenn ich gekackt hatte, fand ich meinen produzierten Gestank eklig. Mein Freund Franz stellte mich vor Rätsel. Oft saß er, wenn ich ihn besuchte, in einem kleinen Klo am Treppenaufgang zur Wohnung. Es enthielt einem Stapel Micky-Maus-Hefte und war sein Rückzugsort. Ich verstand nicht, wie er sich in diesem Mief stundenlang wohlfühlen konnte.

Wer wie ich schon früh das Ideal der "Sauberkeit " verinnerlicht hat, wird sich beim Sex schwer tun. Denn sexueller Rausch ist ohne Schweiß und Schleim nicht zu haben.

 

Ein Schlüssel-Erlebnis

Es war vor über fünfunddreißig Jahren und ein schwüler Sommernachmittag. Ich durchstreifte Frankfurt am Main und landete in der Klappe am Grüneburgpark. In der Pissrinne lag ein junger Mann. Braungebrannt mit nacktem Oberkörper und in einer hautengen, verwaschenen Jeans. Ich begriff sofort, was er wollte. Ich öffnete meine Hose und legte los. Dann rannte ich nach draußen.

Ganz in der Nähe war in einem berühmten Bürogebäude aus den zwanziger Jahren die amerikanische Militärverwaltung einquartiert. An zwei Imbissbuden versorgten sich Soldaten mit Alk, Pommes und Currywurst. Ich soff das angenehm kühle Bier und rannte zurück. Und das noch ein paar Mal.

Noch nie zuvor hatte ich einen so überwältigenden Rausch erlebt. Dabei ist es keineswegs einfach, in erregtem Zustand los zu pissen. Denn der Körper hält den Kanal frei für einen möglichen Samenerguss. Diese Blockade lässt sich nur aufheben, wenn man ganz tief entspannt und nichts mehr erzwingen will. Dann freilich wird man mit einer überwältigenden Lust belohnt. Sie ist oft geiler als so mancher Orgasmus.

Dieses Erlebnis hat mir Mut gemacht, auch als Erwachsener ab und zu die Sau raus zulassen. In der Pisser-Szene ist Lust noch lustig und hier konnte ich ein Stück Unbeschwertheit nachholen, die mir als Kind versagt geblieben war. Meinem demenzkranken Vater war es peinlich, wenn er wieder einmal eingepisst hatte. Ich konnte ihm seine Schuldgefühle nehmen. Natürlich weiß ich von den vielen Frauen, die im Alter an Blaseninkontinenz leiden. Es erscheint mir oft wie ein nach unten verschobenes Weinen.

 

Koste jetzt Deine Lust aus! Mach Dir keinen Kopf, ob Du Dich so, wie Du bist, und mit Deinen Bedürfnissen anderen zumuten kannst.


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