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Noch nie war ich in der Lage, einen Luftballon aufzublasen. Dazu fehlt mir die Kraft in den Lungen. Wenn es mir seelisch schlecht geht, wird mein Atem immer flacher. Ich bin zu erschöpft, um noch tief ein- oder auszuatmen. es fühlt sich an, als müsste meine Arme Brust gegen eine schwere Last ankämpfen. Manchmal kippt meine resignative Stimmung um in eine Depression. Ich bin dann wie gelähmt. Neben diesem mutlosen Atem quält mich seit Jahren ein zäher Husten, den ich einfach nicht loswerde.

Schon als Kind fühlte ich mich anderen Jungen unterlegen. Ich beneidete sie um ihren kräftigen Wasserstrahl. Bei mir war es immer nur ein klägliches Wasserlassen. Auch später, beim Urologen, erreichte ich nie den erwarteten wasserdruck, so viel ich zuvor auch getrunken hatte. Was andere mit vitaler Kraft angingen, machte ich mit Zähigkeit. Aber Zähigkeit fällt mit zunehmendem Alter schwerer und auch die Lust, etwas erreichen zu wollen, nimmt ab. Antriebsschwäche und Müdigkeit sind die Folgen.

Ich kann gut nachvollziehen, warum so manche ältere Frau an Blasenschwäche leidet. Bisher hat sie ihr Leben mit Selbstdisziplin und Willensanstrengung gemeistert. Sie hat fest die Zähne zusammengebissen. Jetzt muss sie sich mit ihren nachlassenden Kräften anfreunden. Es tut weh, gegenüber dem Leben klein beigeben zu müssen. Ihr Einnässen kommt mir vor wie ein nach unten verschobenes Weinen.

Das Wort "Resignation" erinnert an die Zeit der Römer. An der Spitze ihrer Truppen marschierten Männer, die die "Signa" (Siegeszeichen) vorantrugen. Wurden sie in die Knie gezwungen, war die Schlacht verloren." Resignare" hieß ursprünglich, die Feldzeichen niederlegen.

Mancher beginnt sein Leben schon angeschlagen und auf welche Schlachten soll ich alter Mann mich noch einlassen?


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