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Meinem Freund Taner zu seinem 37. Geburtstag

am 15. September 2012

1. Es gibt ein neues Zauberwort: die Achtsamkeit.

Was unterscheidet sie von der uns seit langem vertrauten "Achtung"?

Früher war es üblich, Briefe mit einem "Hochachtungsvoll" zu beenden. Inzwischen klingt diese Höflichkeitsfloskel hohl und leer und wird kaum noch benutzt.

Die Achtsamkeit ist der Versuch einer liebevollen Neuorientierung.

 

2. In der Acht-samkeit entdecken wir die Zahl 8. Sie besteht aus zwei ineinander verschlungenen Kreisen. Die auf dem Bauch liegende 8 kennen wir als Symbol für die Unendlichkeit.

 

3. Machen wir uns mit der Dynamik der 8 vertraut.

Stellen wir uns eine auf dem Bauch liegende 8 vor. Folgen wir ihren Linien mit unseren Augen. Unser Blick führt uns dann nach rechts außen und gleitet über einen Bogen zurück und dann nach links auf die andere Seite.

Noch bewusster wird diese Dynamik erlebt, wenn man diese auf dem Bauch liegende 8 mit dem ganzen Kopf nachzeichnet.

 

4. Überrascht stellt man fest, dass die Bewegung nach "rechts" leichter fällt als die nach links. Die Rechts-Orientierung ist unserem Körper vertrauter als die Links-Orientierung.

Recht, Richtung und richtig haben in unserer Kultur einen guten Klang. Keiner möchte als linkisch wahrgenommen werden. Jemanden linken heißt, ihn zu benutzen.

 

5. Unser Körper besteht aber aus einer rechten und linken Körperhälfte. Wir haben zu lernen, uns in beiden zuhause zu fühlen.

 

6. Noch mehr erfahren wir, wenn wir Arme und Hände zu Hilfe nehmen.

Weit nach vorne gestreckt malen wir jetzt diese auf dem Bauch liegende 8. Je größer diese 8 ausfällt, umso mehr scheinen wir in eine unendliche Weite vorzudringen.

Um eine ganz kleine 8 malen zu können, müssen wir uns zurücknehmen. Wir entdecken, dass die Welt auch nach innen offen ist.

 

7. Wir sind nicht nur rechts und links, sondern auch im Innen und Außen beheimatet

 

8. Es gibt Augenblicke, wo uns das Außen gefangen nimmt.

Wir lesen ein Buch oder sehen einen Film. Wir verlieben uns in einen Menschen oder werden von einem strahlenden Sonnenuntergang überwältigt.

Manchmal gelingt diese Außenorientierung nicht, weil uns unsere Innenwelt in Beschlag nimmt.

Wir sind unruhig-getrieben, niedergeschlagen, traurig oder verzweifelt.

Achtsamkeit ist der Versuch, der jeweiligen Wirklichkeit gelassen zu begegnen und sich mit ihrer Innenseite vertraut zu machen.

 

9. Gelassenheit gelingt nur dort, wo zuvor ein Zu-Lassen erfolgt ist.

Ich halte beim Lesen meines Buches inne. Ich spüre in mich hinein. Ich entdecke, dass ich mit dem Lesen des Buches meiner inneren Unruhe entfliehen wollte.

Ich kniee mich auf den Boden. Strecke meine Arme weit nach vorne. Ich lasse meinen Kopf hängen.

Dadurch bekommt mein innerer Zustand Raum, Gestalt anzunehmen.

Er kann sich als Verzweiflung, Traurigkeit oder Unruhe äußern.

Ich befreie mich von dem Druck, weiter etwas verkörpern zu müssen.

So wie ich jetzt bin, bin ich liebenswert.

 

10. Genauso großzügig begegne ich der Welt meiner Gedanken, Bilder und Gefühle.

Ich setze mich auf den Boden.

Alles darf vor meinem inneren Auge vorüberziehen. Aber nichts soll mich bannen oder lähmen.

Deshalb atme ich immer wieder bewusst und langsam aus.

Achtsamkeit lässt den Schmerz zu. Sie solidarisiert sich mit dem eigenen Körper. Tröstet ihn und spricht ihm Mut zu.

Achtsamkeit ist eine mütterliche Form der Selbstliebe.

Salomon, der Weise, spricht:

Wenn ich nicht für mich bin, wer dann?

12. September 2012

Opa Daniel


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